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aktuell

Im Künstlerhaus Edenkoben  schreibe ich zur Zeit

„Fluchtzustand. Bruchstücke“ – Lyrik & Prosa:

Die Menschen, die im Fernsehen in Busse und Bahnen umstiegen, sitzen jetzt hier in meinem Kurs

„Ich heiße Emma Samuel, wie heißen Sie?“
Das Mädchen mit der Pudelmütze, zum Beispiel, ist Liam. Sie spricht Englisch und Arabisch, und Tigrinia. Bevor ich diesen Kurs übernahm, hatte ich noch nie von dieser Sprache gehört. Liam schneuzt sich und fragt nach dem Verb „kommen“ in der dritten Person Plural. Sie hat ein zierliches Gesicht. Unter der weißen Pudelmütze lugt ein schwarzer, dichter Zopf. Ich möchte sie zu Kaffee und Kuchen einladen und ihr meine Tochter vorstellen. Sie könnten Freundinnen werden, und gemeinsam studieren, in Marburg vielleicht, wo sie in einem Studentenwohnheim nebeneinanderliegende Zimmer bekommen würden.

„Monolog einer hässlichen Frau“ – Theatertext:

Ich bin Marie Hallwachs, geliebzellt von einer Mutter, die erschrak, als sie mich sah, und einem Vater, der mich verhöhnte. Ich bin Erfinderin.

Früher war Schönheit vielgestalt. Die Maler nannten ihre Bilder „Aphrodite“ oder „Frühling“. Wenn ein Mann von einer schönen Frau hörte oder las, dachte er an eine Frau, die er kannte, die er liebte oder die er gerade gesehen hatte. Eine schöne Frau im Film hieß Greta Garbo oder Marilyn Monroe oder Angelina Jolie. Da blieb wenig Platz für Spekulationen, Fantasien, verliebte Träume von der pummeligen Nachbarin mit dem herzlichen Lachen. Schönheit im Film ist keine Idee. Sie ist materiell. Sie ist konkret und brutal.